Unser Buch „Der große Traum vom Hexenwasser“

By Sabine Weiss |
1000036934 – Hexenwasser

Unser Buch "Der große Traum vom Hexenwasser"

Der große Traum vom Hexenwasser ist ein Leseabenteuer ab 6 Jahren mit köstlichen Rezepten aus der Region zum Nachkochen. Ihr bekommt das Buch im Rabennest oder im Online Shop Die abenteuerliche Mission in den Tiroler Bergen ist die perfekte Sommerferien Geschichte direkt aus dem Hexenwasser. Hier eine Leseprobe:

 

Da ging ein Raunen durch die Menge. Dafür braucht es
nämlich jemanden, der sich bereiterklärt, 100 Jahre zu
schlafen. ‚Ich werde die Träumerin sein‘, sagte die Oberhexe,
‚wenn ihr in dieser Zeit gut für mich sorgt. Denn niemand
darf mich wecken. Werde ich vor der Zeit wach, ist der Traum
vom Hexenwasser zu Ende. Könnt ihr das tun?‘ Alle Hexen
nickten. Sie hakten ihre kleinen Finger ein und schworen einen
Hexenschwur. Dann wurde es noch eine richtig ausgelassene
Party mit Hexen-Feuerwerk, Würstchen vom Grill
und Hexentanz.“

Als die Geschichte fertig erzählt ist, grinst uns Opa an. Er
genießt es, wenn er uns sprachlos macht. „Opa, eine Frage
haben ich noch. Was hat es mit dem großen Traum auf sich?“,
sagt Ben. Opa beugt sich vor und flüstert: „Dabei wird ein
mächtiges Traumfeld über einem Ort aufgebaut. Darin können
sich die Bewohner und Bewohnerinnen gemeinsam eine schöne
Zukunft ausmalen. In Söll ist der Wunsch entstanden, das
Hexenwasser zu einem Ort zu machen, an dem Menschen und
Hexen miteinander spielen, etwas entdecken und Spaß haben
können.“ „Hat ganz gut geklappt, findet ihr nicht?“, sagte Oma
augenzwinkernd.
„Unglaublich“, staunt Ben. „Aber jetzt läuft offenbar etwas
richtig schief“, sage ich. Über uns dreht Salvax drei Runden
und krächzt dabei lauthals. „Was will er?“, fragt Ben. „Also,
verstanden habe ich ‚Helft der Oberhexe in der Hexerei.‘ Es
könnte aber auch heißen: ‚Der Sultan von Brunei legt ein Ei‘,
oder: ‚Für den Hai ist im Mai alles vorbei‘”, antwortet Opa.
„Opa!“, rufe ich aufgebracht, „Wir müssen den Schlaf der
Oberhexe retten.“

 

 

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Tiroler Gröstl

Rezept zum Nachkochen

Das brauchst du:
• 500 g gekochte und geschälte,
erkaltete Erdäpfel / Kartoffel
• 150 g Speck
• 150 g gekochtes Rindfleisch oder
Wurstreste
• 1 Zwiebel
• Salz, Pfeffer, Kümmel
• Schnittlauch
• Butter
• 4 Eier

So wird’s gemacht:
Schneide die Zwiebel in kleine Würfel und schwitze sie in einer großen
Pfanne mit Butter an. Nach und nach gibst du den Speck, das gekochte Rindfleisch (Wurstreste), die Erdäpfel in Scheiben geschnitten dazu und röstest alles gemeinsam durch.
Schmecke mit Salz, Pfeffer und Kümmel ab.
In einer zweiten Pfanne kannst du nun die Eier zu Spiegeleiern braten.
Ein echtes Tiroler Gröstl wird mit den Spiegeleiern obenauf und
klein geschnittenem Schnittlauch angerichtet.

Danke lieber Löwenzahn!

By Sabine Weiss |
one dandelion with ice – Hexenwasser

Danke lieber Löwenzahn!

Oft sind es die ersten gelben Farbkleckse auf der Frühlingswiese, die gerade aus dem Winterschlaf erwacht. Das Kraftgewächs Löwenzahn wächst zwar überall, doch die wenigsten wissen, welche erstaunlichen Hexereien in ihm stecken. Heute möchten wir ein Stück Löwenzahn Hexenwissen mit Euch teilen und Euch ein KringelRingelHexperiment vorschlagen…Löwenzahn ist eine der Lieblingspflanzen von uns Hexen. Die zackigen Blätter, die knallgelben Blüten und zum Abschied im Herbst die mystische Pusteblume die unsere Wünsche durch die Luft segeln lässt.  Ein wahrer Verwandlungskünstler.

Auch in der Hexenküche können wir uns ein Leben ohne Löwenzahn nur schwer vorstellen. Wir verspeisen die saftigen Blätter des Hexenkrauts, die Blüten sowie geschlossene Blütenknospen und sogar die Wurzel. Alle Teile dürfen sowohl roh als auch gedünstet, gebraten oder gekocht verzehrt werden. Nein, kein Pflanzenteil des Löwenzahns ist giftig. Ihr könnt es probieren.

Die jungen Frühlingsblätter enthalten weniger Bitterstoffe und können Euch für einen leckeren Löwenzahn-Salat dienen. In den Blättern ist besonders viel Vitamin C und Provitamin A enthalten. Auch zu Pesto verarbeitet schmecken die Blätter würzig scharf. Naschkatzen können mit etwas Fleiß aus den Blüten Löwenzahnhonig selber machen. Und das unterste zuoberst. Eines unserer Lieblingsrezepte ist nämlich der aus der Wurzel hergestellte Löwenzahn Kaffee. Das Rezept findet ihr hier: Löwenzahnkaffee

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Vielleicht konnten wir Euch motivieren den Löwenzahn zu ehren und zu verzehren.

Nun unser heutiges Hexperiment. Gleichermaßen einfach wie faszinierend. Vielleicht kennt ihr es noch aus Eurer Kindheit. Kein Problem. Es ist immer wieder wunderschön:

  • Löwenzahnblüten mit Stängel pflücken
  • eine Schüssel mit Wasser vorbereiten
  • die Blütenköpfe abnehmen (daraus kann köstlicher Löwenzahnhonig gemacht werden!)
  • die Enden der Stängel mit dem Fingernagel vorsichtig in dünne Streifen ritzen
  • die eingeritzten Stängel ins Wasser geben
  • den Zauberspruch: „Löwenzahn du gelber Schlingel zeig uns deine Ringelkringel!“ sprechen
  • zusehen und staunen was passiert!

Warum es uns gut geht, wenn wir gehen…

By Sabine Weiss |
10_06_HW_0307 – Hexenwasser
Skiwelt-Shooting 26.8.20 – Hexenwasser
10_06_HWJ_0129 – Hexenwasser

Wie geht es? Wie steht es? 

Wenn wir gehen, geht es und gut.

Wandern, Wundern und Wenden. Alle drei Worte haben dieselben Wurzeln. Wer wandert, wundert und wendet sich. Beim Wandern können sich die Dinge zum Guten wenden. Und man wundert sich, wenn beim Wandern die Gedanken wieder klar werden. Besonders beim Wandern im Hexenwasser.

Man sagt bereits 15 Minuten spazieren am Tag verlängern das Leben um rund drei Jahre. Gehen beruhigt, baut Stress ab und mildert Depressionen. Auch unser Denken lässt sich mit dem Gehen verbessern. Beim Spazierengehen kommen uns zum Beispiel häufiger kreative Einfälle. „Sobald sich meine Beine bewegen, beginnen meine Gedanken zu fließen.“ Sagte  Henry David Thoreau schon im 19. Jahrhundert. Am besten funktioniert es Barfuss. Die Füße finden die natürliche Stellung wieder, alle Muskeln werden gleichmäßig bewegt, die Längs- und Querwölbungen gewinnen Kraft und Halt und dies überträgt sich entspannend auf den ganzen Körper. Für die Gesundheit und die Schmerzfreiheit des Rückens und der Bandscheiben leistet das Barfußgehen einen entscheidenden Beitrag.

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Ein HeXperiment:

Heben, Tragen und Stellen. In diesem Dreischritt vollziehen wir einen Schritt, einen Fortschritt, einen Rückschritt oder das Zur-Seite-Treten. Darum geht es im Hexenwasser. UM WAS GEHT ES? Wie oft am Tag stellen wir diese Frage an einen anderen Menschen? Die Frage hat in ihrer Einfalt die wunderbare Eigenschaft, dass sie sich selbst beantwortet und dass kein anderer, sondern nur du selbst sie dir beantworten kannst. Versuche es. Stelle Dich in einfacher Haltung mit geschlossenen Beinen hin und versuche, einen Schritt nach vorne zu tun; aber nicht wie gewohnt mit einem Schwung, sondern Millimeter für Millimeter im Zeitlupentempo. Heben, Tragen, Stellen.

Wir beobachten aufmerksam, was mit uns durch uns geschieht, wenn wir einen Schritt vor den anderen setzen. Wie wir unseren sicheren Stand für einen Moment verlieren und der Schwerpunkt nach vorne fällt. Das Gehen ist ein immerwährendes Fallen und Auffangen; ein rhythmisch einmal rechts, einmal links aufgefangener Fall. Oder anders gesagt: Das Gehen ist nur möglich im Wechsel zwischen Sicherung und Entsicherung, Aktivität und Passivität, Willensbetätigung und Willennachlassen. DIES NENNEN WIR DAS BARFUSSDENKEN.

Verkehrslärm und Reizüberflutung gehören für Städter zum Alltag und wirken auf die Psyche ein, oft ohne, dass wir es merken. Wir brauchen den Ausgleich in der Natur.  Wenn Ihr nicht ins Hexenwasser kommen könnt ist auch ein Spaziergang durch Stadt oder den Park besser als nichts. Oder einfach mal zu Hause einen Tag lang Barfuss gehen.

Mehr Infos zum Barfussweg findet Ihr hier: Barfußweg

 

Die sagenhafte Stampfanger Kapelle

By Sabine Weiss |
stampfanger – Hexenwasser

Die Stampfanger Kapelle.

Neben der Hexenwasser Gondelbahn, auf der Spitze eines großen Felsen, thront sie wie von Hexenhand gebaut. Genau dort hat sich vor einigen hundert Jahren beinahe eine Tragödie ereignet, die nur mit Hilfe des Himmels noch ein gutes Ende nahm.

Damals lebte tief hinten beim Stampfangerbach ein Müller mit seiner Familie in der Salvenau am Fuße des Salvenbergs. Von weit ringsum brachten ihm die Bauern ihr Getreide zum Mahlen, denn der Bach sprang das ganze Jahr munter auf sein Mühlrad und trieb es kräftig an. Der Müller Christian Pellhammer war aber nicht nur durch die Natur reich gesegnet, er war auch das Oberhaupt einer Familie, in der, wie man meinen konnte, immer die Sonne schien. Seine stets fröhliche Frau hatte ihm bislang fünf gesunde Kinder geschenkt, von denen Simerl, der Älteste, schon tatkräftig als Müllergesell mitarbeite. Die jüngere Susann half der Mutter im Haushalt und bei der Obhut der kleinsten Geschwister, dem achtjährigen Peter und den fünfjährigen Zwillingen Anni und Seppei.

Maria, die Mutter der Kinder, verbrachte den ganzen Sommer meist draußen in der Natur, streifte mit den jüngeren Kindern durch die Wälder und Bergwiesen auf der Suche nach Beeren, Pilzen und Kräutern oder arbeitete in ihrem Garten. Man konnte die Pellhammers wohl als eine glückliche Familie bezeichnen, über die der Himmel seine schützende Hand hielt. Doch manchmal bricht auch über die Unschuldigsten plötzlich großes Unheil herein.

Eines schwülen Tages im August beschloss Maria, mit Peterl zusammen Pilze zu sammeln. Es hatte die Woche davor geregnet und war nun wieder heiß geworden, das trieb die Schwammerl aus dem moosigen Waldboden. Peter freute sich, seine Mutter einmal einen ganzen Tag für sich allein zu haben. Während die Kleinen in der Obhut von Susann blieben, stiegen die Müllerin und ihr Sohn von der Salvenau hinauf zur Silleralm, wo Maria gute Schwammerlplätze kannte. Und ganz recht, zwischen den moosigen Flechten leuchteten die gelben Pilzhüte hervor und füllten bald die mitgebrachten Körbe. Zu Mittag machten die beiden Schwammerlsucher auf der Silleralm Rast, wo die Sennerin sie zu einem Becher frischer Milch einlud. Gerade als Maria von schläfriger Mattigkeit erfasst wurde, erhaschte ihr Blick vom Wilden Kaiser her eine große graue Front am Himmel.

„Na, da kimmt a Wetter direkt auf ins zua!“ entfuhr es ihr. Ruckartig sprang sie hoch und packte den kleinen Peter unsanft am Arm. „Schnell auf, wir müassn schaun, dass ma no rechtzeitig hoam kemmand!“ Schnell, ab nach Hause! Mit einem kurzen „Pfiat di Greti!“ zur Sennerin hinübergerufen, hasteten die Müllerin und ihr Bub den steilen Wiesenhang hinunter zum Bachlauf. Doch das Unwetter raste bereits auf sie zu. Kaum hatten sie die Talsohle erreicht, ergoss sich das Gewitter aus den schweren Wolken, über ihnen zuckten Blitze und heftiger Donner grollte. Maria und Peterl stolperten entlang des Stampfangerbaches, dessen sonst so klares Wasser nun bereits aufschäumte und bedrohlich schnell anstieg.

„Glei sind ma dahaom Bua, grad no a Stückerl bis zum Steg“, sprach Maria dem Peterl und sich selbst Mut zu. Bald würden sie die schmale Holzbrücke erreichen, die vom Salvenberg hinüber zur Mühle in der Salvenau führte, dann wären sie in Sicherheit. Doch als Mutter und Kind endlich an die Stelle gelangten, wo bislang die Brücke gestanden hatte, sahen sie nur noch deren Pfosten, den Rest hatte der wilde Fluss mit sich gerissen.

Das Unheil nimmt seinen Lauf

„Wia kemmand mia jetzt ans andere Ufer?“ rief Maria entsetzt und ließ vor Schreck den Korb mit den Pilzen fallen. Peter hatte sich von ihrer Hand losgerissen und rannte vor, um zu schauen, wo sie vielleicht noch über Steine zu Fuß übersetzen konnten, doch er hatte sich zu weit hinausgewagt, rutschte aus und fiel ins Waser, das ihn sofort aufsaugte und weiterschleuderte.

„Naa, Peterl!“ gellte der Schrei der Mutter, die ohne nachzudenken ihrem Sohn sofort nachsprang und versuchte, ihn zu erreichen. Doch der Stampfangerbach war zu einer gurgelnden Sturzflut angewachsen und wirbelte Maria herum. Verzweifelt hielt sie nach Peter Ausschau. Mit letzter Kraft klammerte sie sich an ein vorbeischwimmendes Stück Holz und schrie aus tiefster Seelennot:

„Heilige Mutter Gottes Jungfrau Maria, hilf! Rette mei’m Peterl das Leben!“

Da löste sich vor ihr in der Talenge mit lautem Krachen ein großer Felsblock vom Bromberg herab und versperrte dem tobenden Wasser wie ein Korken den Weg. Der Stampfangerbach prallte jetzt in voller Fahrt auf den Felsen und schwappte hoch über seine Ufer. Dabei wurden Maria und ein Stück weiter vorn auch ihr kleiner Sohn ans sichere Land gespült.

Die Müllerin stürzte sich sofort auf ihr Kind, das wie tot dalag. Peter hatte bei der Höllenfahrt die Besinnung verloren, doch als Maria ihn weinend schüttelte, schoss ein Wasserstrahl aus seinem Mund und er fuhr hustend hoch. Die Mutter, selbst vor Kälte und Erschöpfung schlotternd, schloss ihn ganz fest in ihre Arme und bedeckte sein feuchtes Gesichtchen mit Küssen. Dann wandte sie ihr Gesicht nach oben dem strömenden Regen zu. „Dank dir allmächtige Himmelskönigin für unsere Errettung vor dem Tode“, betete sie inbrünstig und bekreuzigte sich demütig vor der Brust.

Dann raffte sich Maria auf die noch zittrigen Füße, nahm den geschwächten Peter huckepack und kämpfte sich den Weg zurück zur Salvenau. Als sie in Sichtweite der Mühle gelangten, stürzten ihnen Christian und Simerl schon entgegen, die in banger Sorge um sie am Fenster der Stube Ausschau gehalten hatten. „Mei liabs Weib und Peterl, da seid’s ihr ja endlich“, konnte der Müller nur stammelnd hervorbringen, da fiel ihm Maria mit dem Kind auf dem Rücken ohnmächtig in die Arme.

In der Nacht legte sich der Sturm, die reißende Stampfangerflut wurde wieder zu einem plätschernden Bach und die Sonne ging freundlich strahlend im blauen Himmel über dem Söllandl auf.

In der Mühle erholten sich Maria und Peterl im Kreise ihrer Lieben von den Strapazen des vergangenen Tages. Müller Christian dankte dem Herrgott von Herzen, dass er seine Frau und Sohn bei dem Unwetter verschont hatte und gab ihm ein Versprechen.

„Genau hier auf dem Felsen droben lass ich der Heiligen Mutter Maria, der Schutzpatronin von mei’m Weib, zu Ehren a Kapellei bauen.“

„Unserer lieben Frau zum Stein“

So geschah es und es dauerte nicht lang, da wurde die schöne, gemauerte Kapelle „Unserer lieben Frau zum Stein“ ein richtiger Wallfahrtsort, zu dem die Menschen aus dem ganzen Söllandl pilgern. Das Gnadenbild der königlich thronenden Madonna mit Jesuskind auf dem Arm wird von den Gläubigen weiterhin bei drohenden Hochwassergefahren angerufen. Aber auch ohne ein besonderes Anliegen versetzt das kleine Kirchlein auf dem Felsen jeden Besucher in Andacht und Staunen.

Die Müllerfamilie Pellhammer lebte noch lange gesund und glücklich am Stampfangerbach. Vernehmt liebe Leut‘ die Moral von der Geschicht: „Wunder geschehen, vergesst das nicht!“

Teile des Textes ©WilderKaiserBlog

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Ein „Blaues Wunder“ mit Erich Bäuerle

By Sabine Weiss |
Bäuerle Erich – Hexenwasser

Ein faszinierender Mensch, der es versteht Teile des Physikunterrichts in eine internationale Sprache ohne viele Worte zu übersetzten. Eine Sprache, die jeder spricht.

DR. ERICH BÄUERLE

Du bist Meeresphysiker und Diplom Ozeanograph. Wie kommt man dazu sowas zu werden?

Schon als kleiner Junge hat mich das Wasser immer fasziniert und magisch angezogen. Meine Eltern mussten alle möglichen Tricks anwenden, um mich vom nahegelegenen Bach fernzuhalten. Das Sprudeln, Gurgeln und Plätschern des klaren Wassers zog mich trotz Verboten immer wieder in seinen Bann. Erst der Herbst und die damit früher einsetzende Dunkelheit und Kälte schafften es, mich zur ausgemachten Zeit in die warme Stube zu treiben.
Später begann ich beim Tauchen, die Welt unter der Wasseroberfläche zu studieren und war ebenso fasziniert. Im Gegensatz dazu machte mich mein eher verstaubtes Studium der Physik in Tübingen nicht besonders glücklich. Oft hatte ich das Gefühl leere Formeln auswendig aufzusagen, welche ich nicht durch greifbare Erkenntnisse und echtes Verständnis erlernt hatte. Spätestens zu dieser Zeit ist mir aufgefallen, dass der aufgebaute Druck durch das Lehrpersonal die Studenten/Schüler viel zu oft daran hindert zu hinterfragen oder offen zu sagen, wenn Lehrinhalte nicht verstanden werden.
Mein Lebensweg bog mit dem Beginn des Ozeanographie Studiums in Kiel in eine neue Richtung ab. Ich sprang mit nur 12 anderen Studenten sprichwörtlich ins kalte Wasser des ersten Jahrgangs eines physikalischen Ozeanographie Studiums in Kiel. Schon nach kürzester Zeit waren wir als Hilfskräfte mit auf See und war ich meinem Lieblingselement nun schon sehr viel näher. Trotzdem war es nicht immer leicht: die Anforderungen waren hoch und Bedingungen waren schwer. Auch in diesem Lebensabschnitt fiel mir bei meiner intensiven, theoretischen Arbeit am Computer und dem komplexen und Mathematik belasteten Lehrstoff auf, dass ich, so wie viele andere Studenten, häufig nicht den Mut hatte zu hinterfragen, wenn ich etwas nicht verstand. Aus Angst vor einer schlechten Bewertung sagte man lieber auswendig gelernte Formeln auf, anstatt zu hinterfragen oder gar etwas Falsches zu sagen. Ich wusste schon zum Zeitpunkt meiner Promotion 1981, dass man an dieser Art und Weise des Unterrichts einiges besser machen und vereinfachen könnte. Denn die Praxis hinter den Formeln und Rechnungen war mehr als spannend.
Nun war ich also Diplom-Ozeanograph.

Wer braucht denn einen Ozeanographen / Meeresphysiker?

Die Einsatzbereiche sind sehr unterschiedlich. In den ersten Jahren nach meiner Promotion arbeitete und forschte ich am Institut für Meereskunde der Universität Kiel und beschäftigte mich mit Problemen des Nordatlantiks. Später war ich unter anderem an der Universität Konstanz tätig und forschte dort über die Auswirkung von Klima-Änderungen auf Seen.
Besondere Freude bereiteten mir immer meine Lehrtätigkeiten wie zum Beispiel an den Universitäten Kiel, Konstanz und Stuttgart und diversen Schulen, sowie die Arbeit als ehrenamtlicher Leiter des Instituts zur Erforschung und zum Schutz der Gewässer (IESGO)
Im Vergleich zu meinen früheren Professoren versuche ich, andere Ansätze und Zugänge zu Lehrmaterial zu finden und komplexe Themen soweit „runter zu brechen“ bis ein Jeder verstehen kann um was es geht. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich bei einer Projektarbeit mit Kindern in Dänemark, als ich merkte wie viel unbefangener sie an Themen herangehen können und mit wie viel Freude und Spaß sie lernen, wenn kein Druck ausgeübt wird.
Im Laufe meines weiteren Berufslebens arbeitete ich bis heute hauptsächlich selbständig. Ich machte Umweltgutachten, betrieb eine Ausstellung über Wasserphänomene in Moislingen, baute ein Erlebnisfeld zur Wahrnehmung von Dynamik und Wellenvorgängen in Oslo auf, gestaltete den WasserKlangPfad beim Naturum Göhrde und 2014 dann das Blaue Wunder im Hexenwasser Söll. Momentan arbeite ich unter anderem an einem spannenden mobilen Konzept für Schulen.

Du hast das Blaue Wunder im Hexenwasser Söll mitgestaltet, -erfunden und -erschaffen. Was genau ist das Blaue Wunder?

Im „Blauen Wunder“ werden Phänomene des bewegten Wassers zur Anschauung gebracht.
Wir erleben das Wasser in unterschiedlichen Bewegungsformen:
– fließend – rotierend – schwingend – wirbelnd – tropfend – spritzend –
oftmals im Wechselspiel mit beweglichen oder starren Materialien (Luft, Lehm, Sand, Metall).
Die große Beweglichkeit des Wassers verleiht ihm die Fähigkeit, auf Beeinflussung sensibel zu reagieren. An diese Eigenschaft des Wassers wollen wir uns herantasten.
Die Exponate/Versuchsanordnungen im „Blauen Wunder“ ermöglichen es, Vorgänge zu initiieren, die beispielhaft für das Verhalten des Wassers sind. Aus der Anschauung und dem unmittelbaren Erleben ergeben sich Ansichten, Ahnungen und Einsichten. Die Experimente sollen letztendlich eine Brücke schlagen zu den Erscheinungsformen des Wassers in der Natur.
Schon das Wort Wunder zeigt, worum es hier geht. Wundern kommt von winden, wenden, verwirren und verflechten. Ein Wunder ist unergründlich und grundlos. Quelle: Etymologisches Wörterbuch
Es gibt nur einen Weg, um die Sprache des Wassers zu verstehen und der beginnt mit meiner Haltung. Kann ich alles, was ich weiß, was ich kenne, was ich gelernt habe, vergessen oder für eine Weile beiseitelegen? Erwartungslos sein. grundlos sein. Und wenn ich dann Glück habe, komme ich ins Staunen und Wundern. Und wenn ich’s festhalten will, rinnt es davon. (Matthias Schenk)

Jeden Sommer kommst Du ins Hexenwasser. Was können wir an diesen Tagen von Dir lernen? Gibt es da Physikunterricht?

Ein Besuch im Blauen Wunder soll keine Physik-Lehrstunde über Strömungsmechanik sein. Wenn auch viele der vorgestellten Phänomene im Lehrbuch eines Hydrologen oder Hydrodynamiker stehen könnten. Wir wollen gemeinsam andere Zugänge zu diesem Wissen finden. Die jeweiligen Entdecker (wie Archimedes, …. Prandtl, von Karman, ….), mit deren Namen die Phänomene oftmals „etikettiert“ werden, haben sich zweifellos intensiv mit den Erscheinungsformen der in Betracht stehenden Vorgänge beschäftigt und haben ihre Erklärungen nach langem experimentellem Ringen und gedanklichem Durchdringen in knappe und prägnante Formulierungen gefasst. Der mühsame Weg hin zu diesen Einsichten wird uns in der Regel erspart. Das mag vordergründig hilfreich sein, beraubt uns aber unter Umständen eines vernünftigen Zugangs, weil die sinnliche Erfahrung fehlt, die Voraussetzung ist, dass der Vorgang durchschaut wird.
So kann der Hintergrund und Lösungsweg vom Betrachter oft nicht nachvollzogen werden. Die Gefahr liegt darin, dass schon beim (nachträglichen) Betrachten der Naturphänomene der „Filter“ der vereinfachenden Methode angelegt wird. Das bedeutet im besten Fall, dass bewusst ausgeblendet wird oder im schlimmeren Fall, dass die Simplifizierung ernsthaft als zutreffende Beschreibung betrachtet wird – mit den zwangsläufig daraus resultierenden Fehlschlüssen.

Ich möchte mit Euch die Phänomene des bewegten Wassers einfach und verständlich zur Anschauung bringen. Das eigens erlebte „Blaue Wunder“ soll Euch die Augen, die Ohren und überhaupt alle Sinne öffnen. Ihr sollt aus dem „Blauen Wunder“ hinausgehen und etwas mit auf den Weg nehmen, einen anderen Blick für Dinge bekommen und den Bezug zur Natur spüren.
Vielleicht regnet es grade wenn Ihr aus dem Blauen Wunder ins Freie tretet, vielleicht seht Ihr plötzlich, wie wild die Regentropfen in der Pfütze hüpfen, seht, was für ein tolles Konzert ein Platzregen macht und wie spannend ein Regentag in der Natur eigentlich ist.

Diese Möglichkeit habt Ihr den ganzen Sommer im Blauen Wunder. Aber ich freue mich, Euch an diesen Tagen als Ideengeber Frage und Antwort zu stehen.

Was fasziniert Dich mehr an Deiner Arbeit? Das Element Wasser und die Arbeit damit oder der Mensch und die Reaktionen auf Deine Projekte und Experimente?

Das Element Wasser fasziniert mich sehr, aber noch mehr faszinieren mich Kinder.
Diese kleinen Menschen kommen auf die Welt, um sie zu verbessern, mit Neugierde, Entdeckerdrang und ohne Vorurteile… und wir Erwachsenen …wir treiben es ihnen aus.
Bei Kindern kommt das Wissen noch aus dem Bauch.

Was die Kinder geben, wenn sie lernen, ist mehr als man sich wünschen kann. Schaut genau hin.

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Ein wertvolles Stück Gold aus der Söller Schatztruhe

By Sabine Weiss |
Alpengasthof Hochsöll – Hexenwasser
Goldberger Repro 003 – Hexenwasser

Siegfried Goldberger ist nicht nur einer der begabtesten Künstler Tirols, er ist ein Urgestein und eine Rarität, welche man in der heutigen Zeit wie einen Schatz suchen muss.

Seine Spezialgebiete sind Ansichten in Öl, Aquarell, Federzeichnungen oder Radierungen. Seine Motive, mit äußerster Genauigkeit ausgeführt, vereinen sich für den Betrachter zu einer Art Traumwelt. Aus ungewöhnlichen Blickwinkeln schafft er räumliche und zeitliche Distanz, fängt Licht, Luft und Ferne bekannter und unbekannter Welten ein und vermittelt Gefühle von Einsamkeit und erhabener Schönheit.

Seit vielen Jahren arbeitet „Sigi“ auch für das Söller Hexenwasser. Pläne, Übersichten, Wandgestaltungen und grafische Elemente entstehen aus seiner Hand. Zuletzt hat er die Ansichten für das aufwendig gestaltete Intro der neuen Hexenwasser Homepage gemalt. Seine Bilder streuen sich rund um den Wilden Kaiser und fast jeder Besucher von Söll kennt mindestens einen „Goldberger“.

In einem Interview möchte ich herausfinden, wer der Mann hinter den unverwechselbaren Kunstwerken ist?

Knarrend, wie der Deckel einer alten Schatzkiste, öffnet sich die Tür zu Siegi Goldbergers urigen, verruchten Atelier im Herzen von Söll. In diesem Raum ist die Zeit stehengeblieben und alles ist Kunst. Der Geruch, die Stimmung – die Einrichtung.

Sigi begrüßt mich aufmerksam und herzlich zu unserem ersten Plausch. Eigentlich wollte ich mit dem in Salzburg geborenen Söller heute direkt ein Interview machen. Stattdessen reden wir erstmal über Gott und die Welt und schauen uns seine zahlreichen Bilder an, die sich wie ein Ensemble um ihn herum aufreihen. Unser Interview verschieben wir auf einen späteren Termin.

Eins wird mir jetzt schon klar. Sigi trägt seinen Namen Goldberger nicht zu unrecht. Wäre er ein Wertstoff, wäre er ganz sicher Gold. Er ist nicht so durchschaubar wie Glas, nicht so zerbrechlich wie Keramik, nicht so einfach zu bearbeiten wie Holz, aber auch nicht so hart wie Stahl. Er glänzt, man kann ihn nicht so leicht verbiegen, jemand wie er ist zu einer Seltenheit geworden und in seiner scheinbaren Unvergänglichkeit sehr wertvoll. Warum das so ist möchte, ich heute verraten, nachdem mir Sigi bei unserem heutigen Treffen fast eine Stunde über sich erzählt hat.

Sigi, wie bist du Künstler geworden? Bekommt man dieses Talent in die Wiege gelegt?

Mein Vater hat vielleicht ein Stückweit sein Talent zum Handwerken und Zeichnen an mich vererbt. Er konnte das ziemlich gut, aber beigebracht hat er mir das Zeichnen eigentlich nicht. Mit dem Malen angefangen habe ich bei meiner Großmutter auf der Rinneralm. Ich habe eine sehr große Verwandtschaft. Meine Großmutter hatte ca. 20 Geschwister.

Ich selber habe zwar nur 2 Geschwister, aber ich war als Kind ein ziemlicher Lausbua. Deshalb haben mich meine Eltern oft mal hoch zur Oma auf die Alm geschickt. Da oben gab es nicht so viel. Mir war oft „fad“ so habe ich mir die Zeichenblöcke genommen und viel gemalt.

Zum Glück unterstützte meine Familie meine wachsende Leidenschaft zur Kunst, und ich durfte später in meiner Geburtsstadt Salzburg das musische Gymnasium besuchen. Die dafür nötigen Geigenstunden waren zwar für mich der reinste Horror, da ich nicht gerade musikalisch bin, aber sie waren die Eintrittskarte für meinen Bildungsweg. Das historische Salzburg faszinierte mich außerdem sehr und meine Hingezogenheit zu allem Altem wurde immer stärker.

Du arbeitest mittlerweile nicht nur als freischaffender Künstler, sondern unterrichtest auch technisches Werken an einer Wiener Privatschule. Wie kam es dazu?

Nach der Schulzeit arbeitete ich erstmal als Zimmerer und LKW Chauffeur in meiner Heimat. Meinen ersten „künstlerischen Auftrag“ bekam ich 1980 durch das Höfe-Museum in Salzburg / Großgmein. Da ich aber schnell merkte, wie schwierig es als freischaffender Künstler war in unserer Region Aufträge zu ergattern, packte ich 1987 eine Mappe ein und fuhr nach Wien. Ich hatte Glück und bekam die Chance in der Bewegung des „Phantastischen Realismus“ unter Professor Rudolf Hausner zu studieren und meinen Magister zu machen. Zu dieser Zeit wurde noch viel über die Effekte, Farbchemie, und das Mischen von Farben gelehrt. Ich musste z.B. jeden Muskel und Knochen unseres Körpers lernen und zeichnen. Teilweise war es auch sehr handwerklich ausgelegt. Ich finde das wichtig und gut, wenn man sein Handwerk wirklich versteht. Gegenständliche Malerei (die Wirklichkeit: also Personen, Landschaften oder Objekte entsprechend unserer sinnlichen Wahrnehmung darstellt) wird heute nämlich kaum noch unterrichtet.

Mein zweites Standbein „Handwerk“ wurde dann auch tatsächlich zu meinem Beruf. Eigentlich bin ich nur als Aushilfslehrer für technisches Werken in Wien eingesprungen. Ich hatte ja auch nie Lehramt studiert. Aber bis ich nächstes Jahr in Pension gehen werde, werde ich nun Lehrer bleiben. Es hat mir immer Spaß gemacht, und ich hatte trotzdem die Möglichkeit parallel viel zu malen.

Deine Werke sind überall in der Region zu finden. Kannst du sagen wie viele Bilder du in deinem Leben gemalt hast? Gibt es persönliche Lieblingswerke?

Wie viele Bilder ich in meinem Leben gemalt habe kann ich leider überhaupt nicht sagen. Ich führe weder ein Protokoll, darüber noch sammele ich meine Skizzen in einem Buch oder gar digital. Ich bin da etwas chaotisch. Wenn ich unterwegs bin und irgendetwas sehe oder einen Einfall habe, dann zeichne ich es irgendwo auf eine Serviette oder einen Schmierzettel. Vielleicht ist es etwas nachlässig und manchmal ärgert es mich auch…z.B. wenn mir einfällt, „das habe ich doch schon mal irgendwann gemalt. Aber ich habe keine Ahnung wer das Bild hat“. Manchmal ist es auch lustig, wenn ich plötzlich auf ein Bild stoße an das ich mich gar nicht mehr erinnert habe.

An einige Lieblingsbilder erinnere ich mich schon noch gut. Aber keines davon ist in meinem Besitz. Da gab es eine Federzeichnung, die ich vom „Enzinger Bichl“ in Salzburg aus von einer gotischen Kirche im Umbau gemacht habe. Es wurde extra eine Rampe dafür gebaut. Dieser Blick war so schön vergänglich. Dann fällt mir noch ein quadratisches Bild vom Eiberg auf die Hohe Salve ein. Das war ist auch etwas ganz Besonderes. Ich glaube ich weiß sogar wo es hängt. Es hat jemand aus der Region gekauft.

Allgemein male ich immer wieder gerne eine Art Phantasie Labyrinth in meinen Bildern. Das hat sich als eine Art Markenzeichen entwickelt. Manchmal vergleiche ich sie mit Troja Burgen oder mit Wirbeln und fließendem Wasser. Jemand anders sagte einmal sie erinnern ihn an Gehirnwindungen. Dazu kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Sigi du hast keine E-Mail-Adresse und kein Smartphone? Kann man als berufstätiger Mann so heute überhaupt noch überleben?

Ja auf jeden Fall. Ich lebe ganz gut damit. Ich kann mit diesem Zeug einfach nichts anfangen. Manchmal ist mir die digitale Entwicklung regelrecht unheimlich. Da ist so eine Eigendynamik drin und mir kommt es so vor, als wenn die Leute die mittendrin stecken, selber oft gar nicht mehr verstehen was sie tun. Die Technik entwickelt teilweise schon eine selbständige Intelligenz. Das ist mir nicht geheuer.  Ich fahre zum Beispiel auch ein sehr altes Auto bei dem ich noch die Technik verstehe und selber etwas schrauben kann. Das ist mir viel lieber als wenn ich der neuen Technik ausgeliefert bin.

Meine Schüler kommunizieren ja teilweise nur noch über das Handy. Ich habe keine Ahnung was im Internet alles über mich im Umlauf ist. Aber es stört mich auch nicht. Ich finde es schön, wenn die Leute mich anrufen oder noch besser direkt mit mir sprechen.

Du arbeitest auch viele Jahre für das Hexenwasser wie kam es dazu und wie hast du das Hexenwasser als Einheimischer all die Jahre erlebt?

Ich habe den Vorstandsvorsitzenden Markus Henkell auf der Hohen Salve getroffen. Wir sind ins Gespräch über meine Bilder gekommen. Etwas später bekam ich den Auftrag ein Bild von der Hohen Salve für die Decke vom Hexentopf zu malen. So fing unsere nun schon viele Jahre andauernde Zusammenarbeit an.

Ich habe das Hexenwasser immer als etwas sehr Positives empfunden, weil es im Einklang mit der Natur gewachsen ist. Mir gefallen die verarbeiteten Materialien Holz, Stein und Eisen. Die ganzen Kunststoff Sachen bei ähnlichen Projekten stören mich einfach. Außerdem hat sich all die Jahre immer etwas bewegt. Das ist wichtig. Meine Enkel lieben es da oben.

Es ist märchenhaft und mystisch und es werden wahre Geschichten erzählt. Das macht den Unterschied. Die Hexen waren ja wirklich da oben bei der Saukoglalm unterwegs. Zumindest wussten das die alten Söller. Schön, dass solche Geschichten am Leben erhalten werden. Das ist Gold wert.

Danke lieber Sigi. Genau wie du! Wir hoffen noch lange mit dir zusammenarbeiten zu können.

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K U N S T hat viele Gesichter. Eines davon gehört Dominique Rebourgeon.

By Sabine Weiss |
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1806_HW_0025_EBV_20cm – Hexenwasser

Dominique Rebourgeon

Dominique kann ein männlicher oder weiblicher Vorname, aber auch ein Familienname sein. Vielseitig wie sein eigener Name ist Künstler Dominique Rebourgeon. Maler, Bühnenbildner, Schauspieler, Pianist, Organist, Kampfsportler und mehr, dass alles ist er, aber allem voran ist Dominique eine eindrucksvolle Persönlichkeit mit Herzblut und scharfem Verstand.

Die Bedeutung seines Namens Dominique „dem Herrn zugehörig“ oder „der Hund des Herren“ trifft auf eine gewisse Art und Weise auf ihn zu, wie er mir im Gespräch verrät.
Fast einen Monat lang hat er am Stück im Hexenwasser gezeichnet und gemalt. Hauptsächlich im neuen Erlebnis-Stall „AmVieh“ Theater auf der Stöcklalm. Aber auch schon in den vergangenen Monaten zum Thema Hexe. In einem netten Gespräch an seinem Arbeitsplatz im Stall erzählt er uns wer er ist und wie er ins Hexenwasser kam.

Wenn man Dominique begegnet fährt man das eigene Tempo automatisch ein paar Gänge runter. Er entschleunigt sein Gegenüber durch seine Ausstrahlung und seinen sympathischen französischen Dialekt. Zusätzlich strahlt eine unglaubliche Ruhe und Beständigkeit von ihm aus. Im scharfen Kontrast zu seinem Auftritt aber, arbeitet er teilweise in rasender Geschwindigkeit. Nachdem wir die eindrucksvoll künstlerisch gestalteten Wände, Türen und Fensterscheiben des neuen „AmVieh“ Theaters der Stöcklalm gemeinsam besichtigt haben, frage ich Dominique wer er ist.

Dominique kannst Du uns in ein paar Sätzen erzählen wo Du herkommst und was dich zu dem gemacht hat der Du heute bist?

Nach kurzem Grübeln fängt Dominique ruihig und bedacht an zu erzählen:

Ich bin früh von zu Hause weg. Ich war 14 Jahre alt. Meine Familie war sehr arm, mein Dialekt war schrecklich und ich wusste das ich es in meinem kleinen französischen Provinzdorf nicht glücklich werden könnte. Mit einer Mappe bewaffnet machte ich mich auf den Weg und bewarb mich an der Kunstakademie in Maçon. Dort angekommen und angenommen studierte ich die ersten 2 Jahre bevor ich nach Bourges wechselte und insgesamt nach 4 Jahren ein eigentlich 8-jähriges Studium abschloss. Mit 18 hatte ich Diplom und war ausgebildeter Kunstlehrer, doch ich war leider viel zu jung, um unterrichten zu dürfen.
Eine feste Säule in meinen jungen Jahren war die Musik. Mit 17 nahm ich in Paris erstmals professionellen Musikunterreicht und bezahlte ihn mit dem Verdienst durch Portraits auf den Pariser Straßen. Mit 3 Portraits konnte ich mir eine Unterrichtsstunde leisten.
Später kam ich nach Deutschland. Ich sprach kein Wort deutsch und schaute auch nie in ein Lehrbuch, die Sprache habe ich im Umgang mit Menschen gelernt. Ich studierte in Essen Kirchenmusik und Komposition und schrieb Orgelwerke. Dadurch durfte ich auch im Petersdom in Rom als Konzertorganist aufgetreten. Viel meiner Zeit widmete ich immer der Kampfkunst. Zeitweise glich das Training einer Art von Sucht. So war ich auch Mitgründer der ersten „Taekwondo“ Schulen in Deutschland.
Parallel machte ich Bühnenbilder für das Theater in Lyon und Paris, arbeitete für das Staatstheater in Kassel und war dann 25 Jahre lang am Theater in Konstanz beschäftigt.
Bei all meinen Arbeiten war ich immer selbständig, unabhängig und als freischaffender Künstler tätig.

Du machst unheimlich unterschiedliche Projekte. Welche Art von Kunst machst Du am liebsten?

Jedes meiner Projekte ist für mich von großem Wert. Wichtig ist dass, das Projekt zu mir und meinen Wertvorstellungen passt. Ich mache auch Kompromisse, aber eben keine faulen Kompromisse. Wenn ich etwas anfange, dann muss ich davon überzeugt sein. Meine Kunst ist mystisch, verborgen und dreht sich fast immer um den Menschen.

Wie bist Du zum Hexenwasser gekommen?

In meiner Zeit in Konstanz traf ich Matthias Schenk (Visionär des Hexenwassers/ damals Schüler für Totales Theater) Besser gesagt: eigentlich traf er mich. Er sprach mich an und wir hatten sofort einen Draht zueinander. Wir setzen außergewöhnliche Licht- und Kunstprojekte miteinander in die Tat um und blieben fortan in einer stetig anhaltenden fruchtbaren Verbindung. Immer wieder trafen sich unsere Wege und ich arbeite auch bei der Gründung seines „Zirkus der Sinne“ am Seeufer Konstanz mit. Zuletzt war ich im Schloß Freudenberg mit Bildern und Tafeln zum Geburtstagssinn tätig. Nachdem er mich fragte ob ich als fixes Mitglied in seinem Team arbeiten möchte, sagte ich ihm allerdings ab. Ich bin zwar teamfähig, aber nicht in einem geschlossenen Rahmen. Ich brauche meine Selbständigkeit. Matthias und ich hielten weiterhin Kontakt. Eines Tages erzählte er mir auch vom Hexenwasser und lud mich ein die Initiatoren kennenzulernen. So entstand die Zusammenarbeit. Als wir anfingen über das Thema Kuh zu sprechen sagte Matthias zu mir: „Du musst uns Bilder malen, wie’s die Kühe gemalt hätten, wenn sie malen könnten.“ Das war eine schöne Herausforderung.

Was gefällt Dir am Hexenwasser?

Das Hexenwasser ist nicht klassisch touristisch. Hier erlebt und versteht man Kultur und es werden die Sinne angekurbelt. Es wird Verantwortung übernommen für das was gemacht wird. Das gefällt mir. Eltern haben heute keine Zeit mehr ihren Kindern Geschichten zu erzählen. Im Hexenwasser werden Geschichten erzählt, aber keine erfundenen Märchen, sondern wahre Geschichten. So wie zum Beispiel im Blauen Wunder. Das ist Wahrheit nicht erfunden. Damit kann ich etwas anfangen, sowas spricht mich an.

Du warst nun einen Monat bei uns und hast das neue „AmVieh Theater“ mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Wie hast Du Deine Arbeit im Stöcklalm Stall erlebt?

Die künstlerische Gestaltung des Stalls war eine meiner längsten Arbeiten überhaupt. Die Zusammenarbeit mit der Familie Ager von der Stöcklalm und dem Hexenwasser Team hat sehr gut funktioniert. Aber hauptsächlich habe ich ja mit den Kühen zusammengearbeitet. Das war spannend und schön. Im Stall herrscht ein angenehmer Frieden und Ruhe. Die Geräusche der Kühe wirkten auf mich sehr beruhigend, fast meditativ. So gab es zum Beispiel eine Kuh, die jeden Tag beim Wiederkäuen in einem ganz bestimmten Rhythmus mit ihrer Glocke läutete. Wie in einem Tempel. Alle anderen Kühe waren dabei still. Diese besondere Kuh liebte offensichtlich ihr ganz eigenes Kuh-Lied. Es war wunderbar. Während meiner Arbeit höre ich normalerweise keine Musik und führe auch keine Unterhaltungen. 3 Stunden kann ich dann am Stück konzentriert arbeiten. Dann brauche ich eine Pause. Und wenn es gut läuft, kann ich dann noch 2 Blöcke mit 3 Stunden dranhängen.

Hattest Du vorher schon Erfahrung mit Kühen?

Ich habe schon in meiner Kindheit viel Zeit im Stall verbracht. Es gab da bei mir im Dorf einen alten einsamen Mann, bei ihm habe ich Milch geholt und ihm viel bei der Arbeit auf dem Feld geholfen. Er hatte nur eine einzige Kuh. Aber er hatte immer viel zu tun und konnte sehr gut Geschichten erzählen. Eigentlich hat er fast rund um die Uhr immer gearbeitet und alles was er tat hatte einen Sinn. Aber jeden Nachmittag um 5 machte er Pause, dann setzte er sich vor seine große Uhr und wartete bis es 5 Uhr läutete und dann sagte er 5 ist es … und gleich 6. Denn dann, um 6 gab es wieder Arbeit. Als würde er es nicht abwarten können. Das ist mir im Gedächtnis geblieben. Dieser Mann lebte für seine Felder und seine Kuh.

Nun noch eine ganz private Frage. Du lebst mit deiner Frau in einem Klostergebäude. Bist Du gläubig?

Ja, ich lebe in einem ehemaligen Klostergebäude. Die Kirche mit einer schönen Orgel ist aus dem 13. Jahrhundert und in jeder Epoche wurde später das Gebäude erweitert und verlängert. Es ist ein angenehmes Wohnklima. Die Orgel in der Kirche darf ich leider nicht spielen, da ich vor Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten bin. Das hat nichts damit zu tun das ich im Zen Buddhismus erzogen wurde, sondern mit einem für mich unverständlichem Zwischenfall im Umgang mit einem guten Freund. Ob ich gläubig bin?
Ich rechne schon fest mit etwas Höherem.

Danke für diese ehrlichen und tiefgründigen Einblicke in Dein Leben Dominique. Du bist eine große Bereicherung für das Hexenwasser.

 

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